Fünf Jahrzehnte Branchendialog: Diskussion über Rohstoffsicherung, Infrastruktur und Krisenvorsorge auf der NordBau 2026
Neumünster, 11. September 2026: Was braucht es, damit Deutschland auch in Zukunft ausreichend Rohstoffe für Wohnungsbau, Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung zur Verfügung hat? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 50. Tages der Baustoffwirtschaft, der im Rahmen der NordBau in Neumünster stattfand. Unter dem Motto „Rohstoffe. Recht. Resilienz. – Perspektiven für Versorgung, Regulierung und Krisenvorsorge“ diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über die Voraussetzungen für eine sichere Rohstoffversorgung und eine leistungsfähige Bauwirtschaft.
vero feiert Jubiläum: Fünf Jahrzehnte Branchendialog
Zum Jubiläum der traditionsreichen Veranstaltung richtete sich der Blick dabei bewusst nach vorne. Denn die geplanten Investitionen in Infrastruktur und Transformation werden den Bedarf an mineralischen Rohstoffen weiter erhöhen. Tanja Lenz vom Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS) zeigte anhand der RWI-Studie 2045, welche Entwicklungen beim Rohstoffbedarf zu erwarten sind. Die zentrale Botschaft: Wer investieren und modernisieren will, muss auch die dafür benötigten Rohstoffe langfristig sichern.
Wie eine praxistaugliche Regulierung dazu beitragen kann, stand im Mittelpunkt des zweiten Themenblocks. Barbara Grunewald vom vero – Verband der Bau- und Rohstoffindustrie e. V. erläuterte den aktuellen Stand der Novelle der Ersatzbaustoffverordnung (EBV).
Einen weiteren Schwerpunkt setzte Prof. Dr. Axel Priebs von der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL). Sein Blick auf die Resilienz in Krisenzeiten machte deutlich: Raumordnung und Flächenvorsorge sind wichtige Instrumente der Daseins- und Krisenvorsorge. Wer Infrastruktur, Bevölkerungsschutz und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit langfristig sichern will, muss dabei auch die notwendigen Flächenbedarfe, unter anderem für die Rohstoffgewinnung, frühzeitig berücksichtigen.
Flächenvorsorge wird zur Frage der Resilienz
Staatssekretär Sönke Schulz vom Innenministerium Schleswig-Holstein setzte mit seinem Grußwort einen politischen Akzent. Im anschließenden Austausch wurde deutlich, dass Rohstoffversorgung längst über die Grenzen der Branche hinausreicht: Sie betrifft unmittelbar Wohnungsbau, Infrastruktur, öffentliche Investitionen und die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.
„Der 50. Tag der Baustoffwirtschaft hat einmal mehr gezeigt, wie eng Rohstoffversorgung, Regulierung und Krisenvorsorge miteinander verbunden sind. Eine leistungsfähige Bauwirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen und eine vorausschauende Rohstoff- und Flächenpolitik. Nur wenn notwendige Rohstoffe auch künftig regional verfügbar sind, können Infrastrukturprojekte umgesetzt werden“, so Thorsten Glomb, Geschäftsführer Rohstoffe und Umwelt vero.
Rohstoffversorgung ist Standort- und Zukunftsfrage
Das Jubiläum machte deutlich: Wie können Schleswig-Holstein und Deutschland die Rohstoffversorgung langfristig sichern, Planungssicherheit schaffen und die Voraussetzungen für Investitionen gewährleisten? Gerade angesichts des hohen Investitionsbedarfs bei Infrastruktur, Wohnungsbau und Transformation gewinnt diese Frage weiter an Bedeutung. Dabei verschärft sich der Wettbewerb um verfügbare Flächen. In Schleswig-Holstein treffen die Interessen von Wohnungs- und Gewerbeentwicklung, Landwirtschaft, Naturschutz, Energie- und Verkehrsinfrastruktur zunehmend aufeinander und damit auch auf die Flächen, die für die Gewinnung heimischer Rohstoffe benötigt werden. Rohstoffgewinnung lässt sich jedoch nicht beliebig verlagern: Die Vorkommen sind standortgebunden und dort zu sichern, wo sie geologisch vorhanden und wirtschaftlich erschließbar sind. Werden entsprechende Flächen nicht rechtzeitig planerisch berücksichtigt, drohen längere Genehmigungsverfahren, steigende Transportwege und damit höhere Kosten und zusätzliche Belastungen für Infrastrukturprojekte. Rohstoffsicherung ist deshalb auch eine Frage vorausschauender Flächenpolitik und regionaler Versorgungssicherheit.
Der 50. Tag der Baustoffwirtschaft hat damit erneut gezeigt, welchen Stellenwert der Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Wissenschaft hat. Die Branche steht bereit, ihren Beitrag zu leisten – für eine sichere Versorgung mit heimischen Rohstoffen, belastbare Infrastruktur und eine resiliente Wirtschaft.